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Objekt des Monats April: Herrenregenschirm

Datierung: ca. 1910
Herkunftsort: Schloss Fürstenau, Familie von Planta
H1998.90

Es war der Engländer Jonas Hanway, der Ende des 18. Jahrhunderts den Regenschirm in die britische Gesellschaft einführte. Damals war der Regenschirm allerdings noch alles andere als ein praktischer Begleiter: Da sein Gestell aus Holzstäben und Fischbein gebaut war, wog er um 1800 rund vier Kilogramm.

Hanway’s Regenschirm war eine Kopie des Sonnenschirms, der schon in der Antike bekannt und vor allem im 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Accessoire für Frauen war. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Sonnenschirm wieder aus der Mode – nun war nicht mehr blasse Haut, sondern ein gebräunter Teint angesagt.

Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wurde der Regenschirm auch zum unentbehrlichen Begleiter für den eleganten Herrn. Der eigentliche Durchbruch fand um 1920 statt: Dann erfand Hans Haupt in Berlin den teleskopierbaren Regenschirm und liess ihn 1934 als Knirps patentieren.

Dieser Herrenschirm aus schwarzer Seide befand sich im Besitz der Familie von Planta. An seinem Griff befinden sich eine vergoldete Metallgarnitur und die Gravur GvP (Gaudenz von Planta).

 




Objekt des Monats März: Radiogerät

Datierung: 1959
Herkunftsort: Chur, produziert in Bremen (D)
H1999.997

Das Radiogerät Norma Luxus mit Zeitautomat der Marke Nordmende kam 1959 auf den Markt. Die Firma Nordmende wurde 1947 als Nachfolgefirma der Radio H. Mende & Co (1923–1945) in Bremen gegründet.

In der Schweiz erfolgte die erste kommerzielle Nutzung des Radios ab 1922 in Form der Radiotelegraphie. 1923 bewilligten die Bundesbehörden Versuche für Lokalradios. Feste Sendefrequenzen waren noch nicht bekannt. War der Radio-Empfang anfänglich nur über Kopfhörer möglich, so setzten sich ab 1930 Lautsprecher durch. Sie bildeten die technische Voraussetzung, um aus dem Radio ein Massenmedium zu machen. Zum populären Informations- und Unterhaltungsmedium wurde das Radio in der Nachkriegszeit. Mit dem Aufkommen des Fernsehens in den 60er Jahren verlor das Radio bereits wieder einen Teil seiner Bedeutung. Die Hörgewohnheiten veränderten sich und das Radio wurde zum Begleitmedium.

Die langlebigste Radiosendung weltweit ist übrigens die «Voci del Grigioni italiano», die seit über 70 Jahren existiert. Sie hat sogar einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde.

 




Objekt des Monats Februar:
Schneeschuhe der Naturfreunde Landquart

Datierung: 1940
Herkunftsort: Malans
Inventarnummer: H2008.1ab

Dieser Schneeschuh aus Eschenholz wurde um 1940 für die Naturfreunde Landquart erstellt.

Die Entstehung des Wintersports in der Schweiz ist eng mit der Geschichte der Kurhotels im 19. Jahrhundert verknüpft. Als diese ab Mitte der 1860er Jahre auch in der Wintersaison für Gäste geöffnet blieben, nahm der Wintersport in den Alpen seinen Anfang. Die ersten (vorwiegend britischen) Gäste verbreiteten eine Reihe bislang unbekannter Wintersportarten: Eislaufen, Curling und Bob. In den 1890er Jahren folgte der Ski. Gleichzeitig wurde auch der norwegische Schneeschuh in der Schweiz beliebt. Mit ihm konnten die Wintersportler nun auch hochalpine Gipfel erklimmen.

Nicht nur der Wintersport, sondern auch das Wandern wurde im 19. Jahrhundert in breiten Bevölkerungsschichten populär. Pionierarbeit leistete dabei der 1863 gegründete Schweizer Alpen-Club (SAC). Mit der Gründung der Naturfreunde-Bewegung 1895 durch sozialistische Arbeiter in Wien wurde Wandern auch zum Teil der Arbeiterkultur. In der Schweiz entstanden die ersten Naturfreunde-Sektionen 1905 in Zürich, Luzern, Bern und Davos. Die Naturfreundebewegung Landquart wurde 1907 gegründet.




Objekt des Monats Januar: Violettstrahlen-Apparat «El Sol»

Um 1920
Herkunftsort: Igis, Firma J. Th. Fontana
H2010.215

Dieser Violettstrahlen-Apparat «El Sol» war ein wahres Wunderding! Für den Heimgebrauch entstanden solche Apparate in den 1920er Jahren im Zuge der zunehmenden Nutzung von Strom in den Haushalten. Kaum hatte der französische Physiker Jacques-Arsène d’Arsonval 1892 die Hochfrequenz-Ströme in die Medizin eingeführt, geriet die Elektrotherapie zur Modeerscheinung. Mithilfe des Generators, der an das normale Leitungsnetz angeschlossen wurde, konnten hochfrequente Wechselströme von 10 bis 20 Kilohertz erzeugt werden.

Mit den unterschiedlich geformten Elektroden, die man auf einen Griff aufsteckte, behandelte man alles von Rheuma über Hühneraugen bis hin zu Asthma: «Gesundheit, Kraft und Schönheit durch tägliche Hochfrequenz-Körpermassage», so wurde «El Sol» um 1920 beworben.
Da die Apparate Störungen des Rundfunkbetriebs verursachten, wurde ihre  Herstellung nach dem Zweiten Weltkrieg verboten. Mittlerweile haben Medizin und Kosmetik die Hochfrequenztherapie wiederentdeckt und nutzen fast dasselbe Verfahren wie in den 1920er Jahren.

 




Objekt des Monats Dezember: Gebäckmodel

um 1700
Herkunftsort: wahrscheinlich Surselva
XI.437

Der Gebäckmodel ist ein Gebrauchsgerät zum Ausformen und Bebildern von nur wenig quellendendem Teig. Der hier gezeigte Model ist aus Holz, 19 cm hoch, 8 cm breit und 1 cm dick. Er war besonders für Lebkuchenteig geeignet.

Es existieren auch Gebäckmodel aus Ton, Stein, Zinn oder Gips. Die ersten gefundenen Exemplare sind um die 4500 Jahre alt. Bekannt sind die römischen Tonmodel mit Darstellungen von Wagenrennen oder Gladiatorenkämpfen. Nach 1900 wurden die Gebäckmodel mehr und mehr durch Umrissmodel aus Weissblech ersetzt, etwa für die Engadiner «Grassins».

Das Rätische Museum besitzt eine kleine Sammlung von 55 in Graubünden verwendeten Backmodeln. Sie weisen die verschiedensten Motive auf. Hergestellt wurde das Gebäck zu besonderen Festtagen im Jahres- und Lebenslauf. Der hier vorgestellte Model zeigt auf der Hauptseite einen «katholischen» Nikolaus mit Mitra und drei Kugeln als Attributen. Auf der Rückseite finden sich zwei Muschelpaare und die Initialen BW.




Objekt des Monats November: Nachtwächter-Laterne

19. Jahrhundert
Herkunftsort: Zizers
H1975.1724

«Losat uf, was i will saga: G'logga, dia hät achti g'schlaga», sang der Nachtwächter noch bis ins 19. Jahrhundert. Zwischen Abendgebet und Tagesanbruch wurden die Stunden ausgerufen – die Seltenheit schlagender Turmuhren schuf das Bedürfnis nach dem Ruf des Nachtwächters.

Doch das Stundenzählen war nur die eine Seite des Nachtwächterberufs. Daneben musste ein Nachtwächter für Ruhe und Ordnung sorgen. Ausgerüstet mit einem Horn, einer Hellebarde und einer Laterne, zog der Nachtwächter durch die dunklen Gassen und vertrieb Bettler, schickte Wirtshausgäste nach der Polizeistunde nach Hause und warnte die schlafenden Bürger durch einen Stoss in sein Horn vor Feuer, Dieben oder anderen Gefahren.

Schon im 18. Jahrhundert gab es Leute, die fanden, dem Rufen und Singen der Wächter sei ein Ende zu setzen, weil es einerlei sei, ob die Ruhe des Bürgers «durch das Geschrey eines Trunkenbolds oder des Nachtwächters unterbrochen werde». Doch erst um 1900 wurden Nachtwächterruf und Laterne von flächendeckenden Strassenbeleuchtungen und neuen Polizeigesetzen abgelöst und der Nachtwächterberuf schliesslich aufgelöst.




Objekt des Monats Oktober: Zunft-Wahlurne

Herkunftsort: Chur
H1973.1124


Ab  1464 waren das Churer Handwerk und Gewerbe in die fünf Zünfte der Rebleute, Schuhmacher, Schneider, Schmiede und Pfister (Bäcker)  gegliedert. Eine Zunftordnung regelte nicht nur alle beruflichen Belange, sondern auch den Wahlmodus für die Zunftvorstände, den Bürgermeister, den Grossen und Kleinen Rat sowie bald auch sämtliche anderen städtischen Ämter.

Die Wahlurne stammt aus der Churer Rebleutezunft. Die Zunftmitglieder gaben ihre Stimme nach einem ausgeklügelten, genau definierten  System mittels eines Jetons ab. Ein frühdemokratischer Wahlakt, also? Nur bedingt. In einer Zunftstadt gab es ganz verschiedene Schichten von Einwohnern – längst nicht alle waren Zunftmitglieder und somit stimmberechtigt. Auch Frauen waren von der Wahl ausgeschlossen. Die Entscheidungsträger bildeten eine kleine, einflussreiche Elite in der frühneuzeitlichen Stadt Chur.




Objekt des Monats September: Einmachglas

1. Hälfte 20. Jahrhundert
Hergestellt in der Glasfabrik Wauwil (BE)
Herkunftsort: Chur
H1997.181

1810 entdeckte der französische Koch Nicolas Appert, wie man Lebensmittel durch Erhitzen haltbar machen konnte. Damit gewann er einen Wettbewerb, den Napoleon Bonaparte ausgeschrieben hatte auf der Suche nach einfacheren Verpflegungsmöglichkeiten für seine Truppen.

Der deutsche Chemiker Rudolf Rempel liess 1892 ein Glas mit Gummidichtung patentieren, welches bis heute eine optimale Aufbewahrung für eingemachte Lebensmittel garantiert. Nur wenige Jahre später erwarb die Firma Weck die Rechte an diesem Patent und verkaufte die Gläser unter eigenem Namen. In den folgenden Jahrzehnten wurde in den meisten Haushalten „eingeweckt“ – der Ausdruck fand sogar Aufnahme in den Duden.

Heute haben andere Formen der Haltbarmachung das Einmachen weitgehend abgelöst. Kühltruhen halten die Gartenernte lange frisch und das Sortiment in Lebensmittelgeschäften variiert nur noch wenig zwischen den Jahreszeiten. Das Einmachglas aber wird noch immer verwendet: längst ist es zum Symbol für Gutes, Hausgemachtes geworden.




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