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Objekt des Monats August: Tschako für Bündner Schützen der Landwehr

Datierung: Ordonnanz 1898
Herstellungsort: Rothenbrunnen
Inventarnummer: H1998.670

Wenige Tage nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde am 3. August 1914 Ulrich Wille zum General der Schweizer Armee gewählt und die allgemeine Mobilmachung angeordnet. Rund 250 000 Mann rückten in den Aktivdienst ein und besetzten die Grenze, um das Land vor einem Übergreifen des Krieges zu schützen. Sie trugen dabei einen dunkelblauen Waffenrock und Tschakos (auch Käppi genannt).
Als im Mai 1915 Italien Österreich-Ungarn den Krieg erklärte, wurde sofort ein Bataillon ins Münstertal und auf den Umbrailpass verlegt, wo die Soldaten Kampfstellungen, Unterkünfte und Magazine erstellten. Die Schweizer Wehrmänner auf der Dreisprachenspitze am Stilfserjoch waren bis 1918 neutrale Beobachter eines erbitterten Hochgebirgskrieges in Fels und Eis. Sie leisteten durchschnittlich 600 Tage Aktivdienst. Ihre ursprüngliche Kleidung wurde allmählich modernisiert durch feldgraue Uniformen und Stahlhelme.






Objekt des Monats Juli: Brämen (Bremsen)-Kessel aus Eisenblech

Datierung: 1. Hälfte 20. Jh.
Herstellungsort: Chur
Inventarnummer: H1979.479

Wenn der Sommer Einzug hält, beginnt auch die Saison der lästigen Insekten wie Mücken, Wespen, Fliegen und Brämen (Bremsen). Darunter leiden nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. Bei den «Rossbrämen» sind es die aggressiven Weibchen, die sich besonders gerne vom Blut der Pferde ernähren. Als die Fuhrpferde im Gewerbe und in der Landwirtschaft im Sommer täglich im Einsatz standen, wurde deshalb zu ihrem Schutz der Brämenkessel vorne an der Mitteldeichsel oder bei einem Einspänner seitlich an den Landen angehängt. Im Kessel erzeugten ölige Lappen oder mottende Kräuter einen stinkenden Rauch, der die Insekten vertrieb.
Statt eines Brämenkessels wurden auch Rauchsäcke verwendet, die aus eingerollten und mit Draht befestigten, nassen Jutesäcken bestanden, die einen beissenden Rauch entwickelten. Eine weitere Möglichkeit der Insektenabwehr war ein am Kopf befestigter, geknüpfter Fliegenschutz mit Zotteln. Später war im Handel auch ein Brämenöl erhältlich.






Objekt des Monats Juni: Dengelstock aus Eisen

Datierung: Anfang 20. Jh.
Herstellungsort: Mastrils, Hersteller: Adank, Jenaz
Inventarnummer: H1976.554

Als bei der Heuernte das Gras noch von Hand gemäht wurde, war für die Mäder eine scharfe Sense das wichtigste Arbeitsgerät. Um auf dem Feld das Sensenblatt regelmässig dengeln zu können, nahm man einen Dengelhammer und einen tragbaren Dengelstock (Amboss) mit, dessen spitzes Ende in den Boden gerammt wurde. Die Eisenschnecken in der Mitte des Dengelstocks sorgten für einen festen Halt und verhinderten, dass er sich beim Dengeln weiter in die Erde bohrte.
Beim Dengeln wird das äussere Ende des Sensenblattes auf den halbrunden Kopf des Dengelstocks gelegt und mit dem Dengelhammer entlang der Schneidekante dünn geklopft und dadurch geschärft. Dengeln ist eine Kunst, die viel Fingerspitzengefühl erfordert. Man beginnt am Bart (breites Ende) und endet an der Spitze des Sensenblattes. Während des Schlagens hält die linke Hand das Sensenblatt und schiebt es Millimeter für Millimeter vorwärts. Zum Schluss folgt das Wetzen der Sense mit dem Wetzstein. Eine gut geschärfte Sense spart Zeit und Geld. Nicht umsonst gilt der Spruch: «Gut gedengelt, ist halb gemäht».





Objekt des Monats Mai: Schwertklinge

Datierung: 14. Jahrhundert
Herkunftsort: Rhein- oder Rohanschanze, Malans
Inventarnummer: H1972.5007

Im Frühling 1888 beginnt der Bau der Bahnlinie Landquart – Kloster. Die Baufirma betätigt sich dabei unfreiwillig als Archäologin: Zwischen Landquart und Malans stösst sie auf eine Schwertklinge mit Knauf. Das Fragment ist korrodiert, die Spitze abgebrochen. Wie im Schreiben des «Kleinen Raths» vom 21. November 1889 zu lesen ist, soll die Bahndirektion den «alten Degen»  der Regierung zuhanden des «graubündnerischen Museums» zusenden.
Die Bahnstrecke Landquart – Klosters wird im Oktober 1889 eröffnet. Das Schwert  befindet sich seit 1890 im Rätischen Museum. Es scheint aus dem 14, Jahrhundert zu stammen. Der Fundort zwischen den weitherum einzigen Brücken über Rhein und Landquart hat hohe strategische Bedeutung, auch schon im 14. Jahrhundert. Bekannt ist die «Rohanschanze» der Bündner Wirren des 17. Jahrhunderts.
So stehen Fund  und Fundort bei der «Rhein-» oder  «Rohanschanze» für das ausgehende Mittelalter wie für die frühe Neuzeit oder die moderne Eisenbahnlinie – die dieses Jahr ihr 125jähriges Jubiläum feiert.






Objekt des Monats April: Viehhüte-Apparat

Datierung: um 1960
Herstellungsort: Degersheim SG
Herkunftsort: Domat/Ems
Inventarnummer: H2012.123

Der Viehhüte-Apparat enthält eine Batterie, die mittels Kabel und Zwinge einen geschlossenen Kreis aus Draht oder einem Band unter Strom setzt. Berührt das eingezäunte Tier die Abgrenzung, erhält es einen elektrischen Schlag und wird sich fortan hüten, dem Zaun zu nahe zu kommen. Das hier gezeigte Exemplar stammt von einem Hobby-Bauern. Er hielt Schafe, die er dank des elektrischen Zaunes nicht zu hüten brauchte. War ein Stück Wiese kahlgefressen, konnte er den Zaun ohne viel Aufwand versetzen.
Die Marke «Boy» ist ungewöhnlich, bekannter sind die Erzeugnisse von «Lanker» oder «Vogel». Landläufig wird die Einrichtung oft «Stopp» genannt, oder auch «Zwick», wegen des Schlages, den der Strom den Tieren, aber auch unvorsichtigen Menschen austeilen kann.
Der elektrische Zaun nahm in Graubünden spätestens nach dem 2. Weltkrieg seinen Aufschwung. Er ersetzte den Holzzaun und/oder die Hütekinder, zuerst im Dorf, später auch auf Maiensäss und Alp. So wie etwa gleichzeitig die Einachstraktoren «Rapid» oder «Aebi» die Mechanisierung der Berglandwirtschaft markierten, tat dies der elektrische Zaun für die Elektrifizierung.





Objekt des Monats März: Fastenvelum (Fastentuch)

Datierung: um 1500
Herkunftsort: Breil/Brigels
Inventarnummer: XII.3C89

Der Brauch, während der Fastenzeit Altäre, Reliquien oder sogar den gesamten Altarraum mit grossen Tüchern zu verhüllen, ist seit über tausend Jahren belegt. Damit wird den Gläubigen von Aschermittwoch bis Ostern der Blick aufs Allerheiligste verwehrt. Sie können der Eucharistiefeier nur akustisch folgen. Zum körperlichen Fasten hinzu kommt eine seelische Abstinenz. Die Redewendung «am Hungertuch nagen» ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, denn im Volksmund wurde das Fastentuch auch «Hungertuch» genannt.
Im Spätmittelalter entwickelten sich die einfachen Fastentücher zu eindrücklichen sakralen Kunstwerken, meist mit biblischen Darstellungen geschmückt. Unser Objekt zeigt die Kreuzigung Christi vom letzten Abendmahl bis zur Auferstehung (Temperamalerei auf Leinen). Es gehört zu den ältesten erhaltenen Fastentüchern im Alpenraum. Im Original ist es 4,72 x 6,08 m gross. Um diese Fotografie anzufertigen, musste eine Turnhalle gemietet werden.





Objekt des Monats Februar: Kinderschlitten

Datierung: 1765
Herkunftsort: Sent
Inventarnummer: XI.80

Die Verwendung von Tierknochen gehört zu den ursprünglichsten Arten der Kufenherstellung: Archäologische Funde bestätigen die Existenz von Knochenschlitten schon in der Bronzezeit. Die Kufen dieses Schlittens sind aus den Schienbeinen eines Pferdes oder Ochsen gefertigt. Das Sitzbrett aus Arvenholz ist mit Kerbschnitzereien geschmückt und zeigt neben der Jahreszahl die Initialen «WDP». An der Unterseite befinden sich zwei Griffkerben, an denen man sich während der Fahrt festhalten konnte.
Wegen der Beinkufen wurde diese Art von Schlitten auch «Ossel» genannt (Romanisch: oss = Knochen). Im Unterengadin und im Münstertal waren sie bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch. Dieser Schlitten gehört zu den frühesten erhaltenen Rodelschlitten.





Objekt des Monats Januar: Unbekanntes Schneidegerät

Datierung: vermutlich Ende 19./anfangs 20. Jh.
Herkunftsort: vermutlich Prättigau
Inventarnummer: ohne Nr.

Gelegentlich gelangen Anfragen von Interessierten ans Rätische Museum, die Auskünfte oder Informationen zu Objekten wünschen. Mit Hilfe von Fachliteratur, Vergleichen mit unserer Sammlung oder der Vermittlung anderer Fachpersonen können die Museums-Mitarbeitenden dann oftmals weiterhelfen. Es gibt aber Fälle, in denen auch wir komplett ratlos sind. So bei diesem Gegenstand, den wir, stellvertretend für weitere solche Rätsel, zu unserem Objekt des Monats Januar ernennen.
Was könnte das sein? Ein Zigarrenschneider, eine Rüebliraffel, ein ausgefallener Nussknacker? Das Gerät verfügt über einen Hebel mit einer Schneidevorrichtung und daneben eine abgeschrägte Fläche mit eingelassener Klinge. Darunter befinden sich zwei kleine Schubladen-Fächer, eines davon mit Blech ausgekleidet. Zahlreiche Kerben belegen, dass das Gerät rege zum Schneiden benutzt wurde.
Das unbekannte Objekt ist in der Eingangsvitrine im Foyer des Museums ausgestellt. Jetzt sind die BesucherInnen und Besucher gefragt! Ob Vermutung, Gewissheit oder kreative Idee: Vorschläge zur Identifizierung des Objekts kann man auf ein Post-it-Zettelchen notieren und auf die Vitrine kleben. Sie können uns Ihre Vorschläge auch mailen, per Post senden oder telefonisch mitteilen.
Unsere Kontaktangaben finden sie hier_>






Objekt des Monats Dezember: Elektrische Christbaumkerzen

Datierung: 1950er Jahre
Herkunftsort: Chur
Inventarnummer: H1999.1452

Die elektrische Alternative zu den brennenden Kerzen auf dem Weihnachtsbaum ist älter, als man annehmen könnte: Der Erfinder der Glühbirne selbst, Thomas Edison, soll schon 1880 zur Weihnachtszeit sein Labor mit Lichterketten geschmückt haben. Sein Freund Edward H. Johnson hat erstmals einen Christbaum mit den Elektro-Kerzen behängt. Damit erregte er grosses Aufsehen. Mehrere Zeitungen berichteten über seinen neuartigen Baumschmuck.
1895 liess der amerikanische Präsident Grover Cleveland den Christbaum des Weissen Hauses elektrisch beleuchten. In der Folge versuchten Firmen wie die General Electric Company, die Elektro-Christbaumlichter zu vermarkten. Für die breite Masse waren sie aber noch unerschwinglich. Erst in den 1920er und -30er Jahren, als immer mehr Privathaushalte Zugang zu Elektrizität erhielten, verbreiteten sich auch die elektrischen Baumkerzen.






Objekt des Monats November: Versehgarnitur

Datierung: 1920–1945
Herkunftsort: Domat/Ems
Inventarnummer: H2012.160–165

Bis heute versieht in katholischen Gebieten ein Priester die Sterbenden vor deren Ableben mit den Sterbesakramenten. Früher machte er dazu meist einen Hausbesuch, «Versehgang» genannt. Beichte, Krankensalbung und Kommunion sollten das Seelenheil des Menschen sichern. Um im Sterbefall einen Hausaltar herrichten zu können, besassen viele katholische Familien seit dem 19. Jahrhundert eine private Versehgarnitur. Diese bestand mindestens aus einem Kruzifix, einem Altartuch, zwei Kerzenständern und kleinen Schalen für Weihwasser sowie für Salz und Watte, mit denen sich der Priester die Hände reinigte.
Nach Eintreten des Todes wurde der oder die Verstorbene in der Stube aufgebahrt und die Versehgarnitur daneben platziert. Bis zur Beisetzung hielten Familienmitglieder und Nachbarn dort die Totenwache. Die Versehgeräte waren als wichtige Haushaltsutensilien beliebte Hochzeitsgeschenke für junge Paare.





Objekt des Monats Oktober: Brille (Zwicker) in Holzetui

Datierung: 1794
Herkunftsort: Chur
Inventarnummer: XI.520

Frühe Versuche, mittels einfacher Gläser die Optik zu verändern, sind bereits aus der Antike überliefert. Es waren aber wohl Mönche in mittelalterlichen Klöstern, die erstmals zur gezielten Verbesserung der Sehfähigkeit Bergkristalle zu sogenannten «Lesesteinen» schliffen; der Erhalt der Lesefähigkeit war für sie besonders zentral. Ab dem 14. Jahrhundert erwähnen italienische Quellen die eigentliche, auf der Nase getragene Brille zum ersten Mal. Der Erfinder ist unbekannt. Die frühen Brillen besassen noch keine Bügel und lediglich konvex geschliffene Gläser. Damit korrigierten sie (Alters-)Weitsichtigkeit. Hingegen konnte Kurzsichtigkeit erst ab dem 16. Jahrhundert mit Brillengläsern ausgeglichen werden.
Dieses Modell ist eine sogenannte «Nürnberger Drahtbrille». Es war die erste massengefertigte Brille. Sie blieb bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Verkaufsschlager.






Objekt des Monats September: Schattenriss Johannes von Herman, 1740–1815, Künstlerangabe: «Speckberger fecit»

Datierung: 1787
Herkunftsort: unbestimmt
Inventarnummer: H1972.1192

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begeisterten sich vor allem intellektuelle Kreise für Schattenrisse, damals «Silhouetten» genannt. Man überreichte sich solche gerne als Freundschaftszeichen. Auch Goethe war ein begeisterter Sammler dieser Porträts. Zur Herstellung diente ein «Silhouettier-Stuhl» mit aufmontierter Glasplatte, auf der man die Umrisse der sitzenden Person nachzeichnen konnte. Dann wurde die Silhouette meist getuscht, seltener als Scherenschnitt nachgezeichnet.
Johann Kaspar Lavater, Philosoph und Pfarrer in Zürich, veröffentlichte von 1775 bis 1778 seine «Physiognomischen Fragmente». Darin versuchte er, aus den Gesichtszügen eines Menschen Rückschlüsse auf dessen Charakter zu ziehen. Seine Theorien, heute längst verworfen, wurden damals breit diskutiert und machten das Sammeln von Schattenrissen als «Anschauungsobjekte» noch beliebter. Mitte des 19. Jahrhunderts, mit dem Aufkommen der Fotografie,  verloren die kleinen Profil-Bildchen ihre Bedeutung.






Objekt des Monats August: Audiokassette, Marke Maxell

Datierung: 1982
Herkunftsort: Chur
Inventarnummer: H1995.538

Fünfzig Jahre alt und schon Geschichte: 1963 stellte der Elektronik-Konzern Philips auf der Grossen Deutschen Funk-Ausstellung erstmals die «Compact Cassette» vor. Zum Abspielen wurde das im Gehäuse enthaltene Magnetband über einen Tonkopf geführt.
Die Kassette war ein Meilenstein in der privaten Audiotechnik. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern, den Tonbändern, war sie klein und handlich. Sie  erlaubte einfache Tonaufnahmen mittels Kassettenrecorder, seien es geschäftliche Diktate, Babys erste Worte oder Mitschnitte von Radiosendungen. Jahrzehntelang kreierten musikbegeisterte Laien damit ihre eigenen Mixtapes. Ähnlich wie in heutigen Zeiten des Lieder-Downloads befürchtete die Musikindustrie Umsatzrückgänge und reagierte mit Kampagnen wie «Home Taping is Killing Music» («Heimaufnahmen töten die Musik»). Die grösste Tücke der Kassette hiess «Bandsalat», der sich durch geduldiges Aufrollen mit Hilfe eines Bleistifts beheben liess. In den Neunzigerjahren wurde die Kassette durch digitale Tonträger abgelöst.





Objekt des Monats Juli: Damenkorsett

Datierung: Ende 19. Jh.
Herkunftsort: Tamins
Inventarnummer: H2001.746

Über Jahrhunderte war das Korsett, früher «Schnürbrust» genannt, fester Bestandteil der gehobenen Damenmode. Der Körper wurde wie eine Skulptur nach dem Geschmack der Zeit geformt: konisch (18. Jh.), sanduhrförmig (19. Jh.) oder in S-Form (anfangs 20. Jh.). Zeitweise trugen auch Männer Korsetts. Ende des 19. Jahrhunderts kam die besonders schmale Wespentaille in Mode. Die Österreichische Kaiserin Elisabeth, damals eine Mode-Ikone, schnürte ihren Leib auf 46 cm Umfang ein.
Ärzte warnten vor den gesundheitlichen Folgen des Korsett-Tragens, wie Verformungen der Wirbelsäule oder Schnürfurchen. Die Reformbewegung anfangs des 20. Jahrhunderts propagierte die natürliche Körperform. Coco Chanel war eine der ersten Designerinnen korsettfreier Mode. Doch erst im Zuge der Weltkriege, als die Berufstätigkeit der Frauen sprunghaft anstieg, wurde das Korsett endgültig aus der Garderobe verbannt.
Dieses Baumwoll-Korsett stammt aus wahrscheinlich deutscher fabrikmässiger Produktion. Verstärkt ist es mit Fischbein. Solche Mieder trugen Damen der Mittelschicht.






Objekt des Monats Juni: Tschako der Stadtmusik Chur

Datierung: 1974
Herkunftsort: Chur
Inventarnummer: H2001.480e

Die Erfindung der Ventile für Blechblasinstrumente anfangs des 19. Jahrhunderts veränderte die Musikwelt. Die neuen technischen Möglichkeiten sowie das Vorbild des Musikkorps der französischen Truppen liessen auch in der Schweiz die Begeisterung für Blasmusik wachsen. Nach der Gründung der eidgenössischen Blechmusikgesellschaft 1862 kam es im ganzen Land zu einer Gründungswelle von Musikvereinen. Auch die Stadtmusik Chur hat ihre Wurzeln in dieser Zeit (1879). Solchen Vereinen kam bald grosse soziale Bedeutung zu - waren sie doch für breite Kreise die einzige Möglichkeit, ein Musikinstrument zu erlernen. Dies änderte sich erst ab den 1970er Jahren mit dem Aufkommen von Jugendmusikschulen. Bis heute gehören Blasmusikkapellen an den meisten Orten bei öffentlichen Feiern oder Umzügen dazu. Vom 7. bis 9. Juni messen sich die Bündner Musikvereine am Kantonalen Musikfest in Chur.
Der ausgestellte Tschako gehörte ab 1974 zur Uniform der Stadtmusik und erinnert in seiner Form an die Kopfbedeckung der napoleonischen Truppen.





Objekt des Monats Mai: Lochaxt

Datierung: Neolithikum, 3. Jahrtausend v. Chr.
Herkunftsort: Avers, Flur Gorisch Hus
Geschenk des Finders Jürg Stoffel, Buchen i. P.

Im Jahr 1961 hat Herr Jürg Stoffel, ehemaliger Gemeindekanzlist von Avers-Cresta, diese jungsteinzeitliche Axt in der Flur Gorisch Hus zwischen Avers-Cresta und Juf entdeckt. Nach Aussage des Finders lag das Objekt oberflächlich zwischen den Steinen nahe bei einem zwischenzeitlich abgebrochenen Stall. Die stämmige Schaftlochaxt ist aus granitartigem Grüngestein (Amphibolit?) gefertigt und datiert aufgrund ihrer Form ans Ende der Jungsteinzeit, d.h. ins 3. Jahrtausend v. Chr.
Für Graubünden ist das als Waffe und/oder Werkzeug eingesetzte Artefakt bislang einzigartig – und auch darüber hinaus finden sich nur wenige Vergleichsstücke, die nächstgelegen im bayerisch-oberösterreichischen Raum. Unklar bleibt, aus welchem Grund und durch wen das faszinierende Objekt vor knapp 5000 Jahren in das hochgelegene Tal gelangt ist, fernab der damals dauerhaft besiedelten Gebiete.
Der Archäologische Dienst Graubünden dankt Herrn Jürg Stoffel aufrichtig für die Schenkung dieses für die Bündner Kulturgeschichte bedeutenden Objektes.






Objekt des Monats April: Bärenfalle (Teller-Eisen)

Datierung: wahrscheinlich 19. Jahrhundert
Herkunftsort: Silvaplana
H1974.463

Der Bär M13 wurde kürzlich geschossen. Er war den Menschen immer näher gekommen. Die Reaktionen von Befürwortern und Kritikern des Abschusses fielen heftig aus.
Schon seit dem Mittelalter begegnet der Mensch dem Bären mit einer Mischung aus Faszination und Furcht. Einerseits prangte das Tier auf vielen Wappen. Seine Zähne trug man als Amulette um den Hals und ein Stück seines Fells auf der Brust sollte die sprichwörtlichen Bärenkräfte auf die Menschen übertragen, glaubte man. Fast allen Körperteilen des Bären wurden Heilkräfte zugesprochen.
Grosser Respekt erntete, wer ein so kräftiges Tier fangen und zähmen konnte: Gaukler dressierten schon seit der Antike Tanzbären. Herrscher und Städte hielten die Tiere als Machtsymbole. Im wilden Bären aber sah man eine Bedrohung und jagte ihn. 1904 wurde der Bär in der Schweiz ausgerottet. Seit einigen Jahren tauchen jedoch immer wieder Bären hier auf. Ein neuer Umgang mit den alten Wildtieren wird gesucht.






Objekt des Monats März: Emaillierte Dose mit Olympiaemblem

Datierung: 1984
Herkunftsort: Chur
H1994.82

Am 3. März 2013 wird in Graubünden abgestimmt über eine Kandidatur um die Olympischen Winterspiele 2022. Zweimal war der Kanton bereits Gastgeber der Spiele: die erste gross angelegte Winterolympiade fand 1928 in St. Moritz statt. 491 Athleten aus 25 Ländern nahmen daran teil. Die ersten Winterspiele nach dem zweiten Weltkrieg wurden 1948 erneut in St. Moritz veranstaltet.

1980 verweigerte das Bündner Stimmvolk die Defizitgarantie für eine weitere Austragung der olympischen Spiele in Graubünden. Hauptargument der Gegner waren Umweltschutzbedenken. Bei einem Graubünden-Besuch 1988 überreichte der IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch der damaligen Direktorin des Rätischen Museums diese Dose als Geschenk. Ob die Olympiade Graubünden demnächst näher kommt als nur in Dosenform? Der März wird’s zeigen.






Objekt des Monats Februar: Ansichtskarte „Wintersport, Bobsleigh-Bahn“ St. Moritz - Celerina

Datierung: 1911
Herkunftsort: Jona
H1993.669

Vom 21. Januar bis 3. Februar wurden in St. Moritz die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften 2013 ausgetragen. Beide Sportarten haben ihre Wurzeln im Engadin: Englische Wintertouristen erfanden das Bobsleigh  Ende des 19. Jahrhunderts als Weiterentwicklung des beliebten Rodelns. 1884 schufen sie die erste Eisrennbahn entlang der Strasse zwischen St. Moritz und Celerina, den „Cresta Run“.  Drei Jahre später wagte sich erstmals ein Fahrer Kopf voran liegend diese Strecke hinunter.

Bald schon zerstritten sich Bob- und Skeletonfahrer über die Nutzung der Eispiste. Die Lösung brachte die 1904 eröffnete spätere Olympia-Bobbahn, welche parallel zum Cresta Run verläuft. Unterdessen ist dies die älteste noch benutzte permanente Bobbahn der Welt und die einzige Natureisbahn. Auf dem Cresta Run wird bis heute Skeleton in einer besonderen Variante betrieben. Dabei werden Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h erreicht.






Objekt des Monats Januar: Kiste mit Rohlingen für den Geigenbau aus dem Besitz von Emil Baltensberger

Datierung: anfangs 20. Jh.
Herkunftsort: Chur
H2012.149

Der Churer Maler Emil Baltensberger (1859–1923) beschäftigte sich hobbymässig mit feinen Holzarbeiten und war darin sehr geschickt. Als ihm einmal eine defekte Geige zur Reparatur überlassen wurde, entdeckte er seine Faszination für diese Instrumente. Nachdem er sich schon das Spiel autodidaktisch beigebracht hatte, eignete er sich auch das Wissen über den Geigenbau selbst aus der Literatur an.

1901 baute er seine ersten Violinen. Sie stiessen auf grosse Begeisterung. Bald häuften sich die Bestellungen. Namhafte Musiker dieser Zeit liessen bei Baltensberger Instrumente anfertigen. In überschwänglichen Konzertkritiken verglichen mehrere Zeitungen seine Instrumente mit Stradivari-Geigen.

Baltensberger schuf in seinem Leben über 300 Violinen sowie einige Bratschen und Celli. Während er sich in seinen letzten Lebensjahren vom Instrumentenbau zurückzog und eine Drogerie betrieb, lebte der gute Ruf seiner Geigen weiter: auch der junge Yehudi Menuhin soll eine Baltensberger gespielt haben.






Objekt des Monats Dezember: Christbaum-Stern

Datierung: um 1900
Herkunftsort: Chur
H1985.105

Der Legende nach soll die Freiburger Bäckerzunft im Jahr 1419 einen ersten Weihnachtsbaum mit Leckereien für die Kinder der Stadt behängt haben. Ab dem 16. Jahrhundert häufen sich die Belege für Christbäume im deutschsprachigen Gebiet. Mancherorts mussten die Förster sogar Wachdienst im Wald leisten, um zu verhindern, dass die Leute Bäumchen stahlen. Im 19. Jahrhundert hatte der Weihnachtsbaum-Brauch das gesamte deutschsprachige Gebiet erobert und verbreitete sich von da aus über die ganze Welt. 

Ursprünglich schmückte man den Christbaum vor allem mit Gebäck und Süssigkeiten. Äpfel als Baumschmuck erinnerten an Adam und Eva, deren liturgischer Gedenktag der 24. Dezember ist. Seit dem 17. Jahrhundert bestückten wohlhabende Familien ihren Baum mit teuren Kerzen aus Bienenwachs. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung konnte sich solchen Lichterzauber erst nach der Erfindung des günstigen Paraffins 1837 leisten. Christbaumkugeln aus mundgeblasenem Glas wurden in Deutschland seit der Mitte des 19. Jahrhunderts produziert. Noch erschwinglicher war der Schmuck aus Eisenblech, wie dieser Stern.






Objekt des Monats November: Ovomaltine-Blechbüchse

Datierung: 1904–1912
Herkunftsort: Chur
H1999.401

Als das Berner Unternehmen Wander AG 1904 die Ovomaltine auf den Markt brachte, galt das Getränk noch als medizinisches Präparat. Der Chemiker und Apotheker Albert Wander hatte es basierend auf einer Idee seines Vaters entwickelt. Dieser wollte ein Aufbaugetränk für Kranke, Rekonvaleszente und Mangelernährte schaffen. Doch das Getränk erlangte in kürzester Zeit auch bei gesunden Menschen grosse Beliebtheit. Insbesondere Sportler schätzten dessen kraftspendende Wirkung.

Mit viel Marketing-Geschick setzte Wander früh auf Event-Sponsoring: Schon seit den 1920er Jahren war Ovomaltine immer wieder an Schweizer Sportanlässen präsent. Ausserdem war es eines der ersten Produkte, welches mit einem Spot am Schweizer Fernsehen beworben wurde. Der Slogan «Häsch dini Ovo hüt scho gha?» erlangte in den 1980er Jahren Kultstatus, die Ovomaltine avancierte zu einer Art Nationalgetränk.

Die Blechbüchse ist die ursprüngliche Ovomaltine-Verpackung, wie sie für den Markteintritt und die ersten Jahre danach entwickelt wurde. Ihre Aufschrift «für geistig und körperlich Erschöpfte» verrät noch den medizinischen Hintergrund des Produkts.






Objekt des Monats Oktober: Höhensonne

Datierung: ca1950
Herkunftsort: Chur
H1999.1009

Der Engadiner Arzt Oscar Bernhard (1861-1939) gehörte zu den ersten, welche die heilende Wirkung von Sonnenstrahlen nutzten. In seiner Klinik in Samedan beschleunigte er Wundheilungsprozesse und behandelte Tuberkulosen, indem er seine Patienten dem Sonnenlicht aussetzte. Auf die Idee gebracht hatte ihn ausgerechnet Bindenfleisch, das die Bauern mit Hilfe der antiseptischen und eintrocknenden Wirkung von Sonne und Luft herstellen. Nach anfänglicher Skepsis erlangte seine „Heliotherapie“ die Anerkennung der medizinischen Fachwelt. Von Hautkrebsrisiken war damals noch nicht die Rede.
1911 kam die erste künstliche Höhensonne auf den Markt. Sie ermöglichte die Heliotherapie auch in weniger sonnenverwöhnten Gegenden. Das Modell Mignon der Firma BELMAG in Zürich wurde in  Werbebroschüren angepriesen als Mittel gegen Rachitis, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Schwangerschaftsbeschwerden, Hautunreinheiten und vieles mehr.
Die Heliotherapie findet in der modernen Lichttherapie eine Fortsetzung. Sie wird zur Behandlung von Depressionen oder Vitamin-D-Mangel eingesetzt.






Objekt des Monats September: Jagdarmbrust mit Hanfsaite

Datierung: 1. Hälfte 17. Jh.
Herkunftsort: unbekannt
H1970.979

Bis ins Spätmittelalter war die Jagd ein Privileg der Mächtigen: Nur Adlige und hohe Geistliche durften jagen. 1526 (mit den 2. Ilanzer Artikeln) ging das Jagdrecht an die Gerichtsgemeinden. Fortan konnte jeder sogenannte Gerichtsgenosse – heute würde man es „Bürger" nennen – auf die Pirsch gehen. Ab 1803 ging die Jagdhoheit an den jungen Kanton Graubünden über. Schonzeiten, Verbote und Vorschriften wurden kantonal geregelt und mittels Jagdpolizei überwacht. 1875 zwang ein Bundesgesetz die Bündner, sich zwischen dem Revier- und dem Patentjagdsystem zu entscheiden. Wie in den übrigen Schweizer Alpenregionen auch, wählte das Volk letzteres. Seither sind alle Bündner Jäger zum Lösen eines Patents verpflichtet.

Die Armbrust wurde ab dem 13. Jahrhundert zur Jagd verwendet. Ihre Lautlosigkeit, ihre grosse Reichweite von 200 bis 500 Metern und ihre Treffsicherheit machten sie zur idealen Jagdwaffe. Erst die Armbrust ermöglichte es, Gämsen und Steinböcke zu jagen. Mit ihren Eigenschaften war sie auch den frühen Feuerwaffen überlegen: Gewehre waren damals noch unhandlich und unzuverlässig, mit ihrem Lärm und Gestank vertrieben sie das Wild. Daher blieb die Armbrust bis ins 18. Jahrhundert eine beliebte Jagdwaffe. 






Objekt des Monats August: Kinder-Milchflasche

Datierung: 1. Hälfte 19. Jh.
Herkunftsort: unklar, aus dem Besitz der Familie Salis
H1970.40

In vornehmen Kreisen des 18. und 19. Jahrhunderts galt stillen als unfein. „Meine Frau, sie seye es im Stande oder nicht, sollte niemalen ihr Kind stillen“, schrieb W. A. Mozart nach der Geburt seines ersten Sohnes. Auch ärmere Mütter stillten wenig. Bald nach dem Wochenbett mussten sie zurück an die Arbeit. Wer es sich leisten konnte, liess sein Neugeborenes während der ersten Monate von einer Amme ernähren. Ansonsten fütterte man Babies mit einem Körnersud-Milch-Gemisch. Einfache Leute flössten den Kindern die Nahrung über ein Kuhhörnchen ein, Vermögendere mittels hübscher Glasfläschchen mit Zinnaufsatz. Über die gesundheitlichen Folgen dieser Ernährung wusste man noch wenig.

Schon damals propagierten manche Kinderärzte oder Aufklärer wie Jean Jacques Rousseau das Stillen als beste Ernährungsform für Babies. Auch Mozart liess sich widerwillig umstimmen. Dennoch starb sein Sohn kurz darauf - die Säuglingssterblichkeit war allgemein hoch. Erst ab den 1920-er Jahren kam geeignetere Flaschennahrung für Säuglinge auf den Markt.
Bis das Stillen in Europa wieder salonfähig wurde, dauerte es noch länger.





Objekt des Monats Juli:
Spiel «Reise durch die Schweiz», Edition Carlit Zürich

Datierung: 1956
Herkunftsort: Chur
H1997.266

Jahrein, jahraus arbeiten, ohne jeglichen Anspruch auf Ferien? Das ist heute kaum mehr vorstellbar. Doch noch vor einigen Jahrzehnten war das für die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer Realität. Das Recht auf Ferien – und damit auch die Möglichkeit, zum Vergnügen zu reisen – ist historisch gesehen ein relativ junges Phänomen.

Als erste kamen Beamte im öffentlichen Dienst in den Genuss arbeitsfreier Tage (ab 1879). Bis die Privatwirtschaft nachzog, dauerte es noch viele Jahre. 1920 setzten die Beschäftigten der Transportanstalten ihren Anspruch auf Ferientage durch, danach folgten andere Berufsgruppen. Angestellte erhielten grundsätzlich mehr freie Tage als Arbeiter, da Kopfarbeit als ermüdender angesehen wurde als körperliche Arbeit.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die ersten kantonalen Feriengesetze geschaffen. Der Grundanspruch betrug nun zwei Ferienwochen für alle. Aus dieser Zeit stammt dieses Spiel für Kinder. Würfelnd lassen sich darin die Sehenswürdigkeiten der Schweiz erkunden. Es spiegelt damit das neue Freizeitverhalten der Menschen. Dank der gesicherten Ferienwochen und dem wachsenden Wohlstand begannen Schweizerinnen und Schweizer reisend ihr Land und die Welt zu entdecken.

Auf Bundesebene wurde der Ferienanspruch erst 1966 gesetzlich verankert.





Objekt des Monats Juni: Trikot FC Chur

Datierung: um 1965
Herkunftsort: Chur, hergestellt in Wien
H1998.1007

Diesen Juni verfällt ganz Europa dem Fussballfieber! Dass sich auch Graubünden von diesem Virus anstecken lässt, steht heute ausser Frage. In der Vergangenheit war das jedoch nicht selbstverständlich. Der Fussball hat lange gebraucht, um Graubünden zu «erobern».

1898 schaffte der Kantonsschüler-Turnverein in Chur den ersten Fussball an. Die Begeisterung für die neue Sportart hielt sich aber in Grenzen. Die Spieler mussten sogar zu ihrem Glück gezwungen werden: unter Bussenandrohung beorderte der Verein sie 1900 zu einem Fussballspiel. Engagierter zeigten sich die Davoser: sie gründeten 1910 den ersten Fussballklub im Kanton. Doch hatten auch sie Schwierigkeiten, die nötige Anzahl Spieler aufzutreiben, und noch schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem Gegner.

Der FC Chur wurde 1913 gegründet. Zwischen 1987 und 1993 spielte der Klub in der Nationalliga B (heute: Challenge League). Im Juni 1997 fusionierte der FC Chur mit dem FC Neustadt Chur und dem SC Grischuna zu Chur 97.





Objekt des Monats Mai: Brautkrönchen

Datierung: Mitte 19. Jh.
Herkunftsort: Surselva, erworben 1915 in Ilanz 1915
XII.1Ba129

Dieses Brautkrönchen aus dem Bündner Oberland wird auf Mitte des 19. Jahrhundert datiert. Es besteht aus einem Drahtreifen, der mit Blumen aus Silberdraht, Papier, Stoff und Glasperlen und mit gestanzten Sonnen, Trauben, Eicheln und Feigenblätter umflochten ist.

Solche Brautkronen kennt man kaum mehr. Auch sonst hat sich in der Brautbekleidung einiges geändert: So war es bis ins 19. Jahrhundert üblich, dass die Frau kein spezielles Brautkleid hatte, sondern einfach in ihrem schönsten und besten Kleid heiratete. Dieses war häufig schwarz; denn so konnte es auch gleich noch an Beerdigungen getragen werden.

Manche Frauen aus bürgerlichen Kreisen bevorzugten bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts weisse Kleider, doch erst nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich das weisse Brautkleid, das aus den USA kommt, in allen Bevölkerungsschichten durch. Mittlerweile ist auch dieser Brauch bereits wieder gelockert, und Kleider in allen Farben zieren die Bräute von heute.





Objekt des Monats April: Herrenregenschirm

Datierung: ca. 1910
Herkunftsort: Schloss Fürstenau, Familie von Planta
H1998.90

Es war der Engländer Jonas Hanway, der Ende des 18. Jahrhunderts den Regenschirm in die britische Gesellschaft einführte. Damals war der Regenschirm allerdings noch alles andere als ein praktischer Begleiter: Da sein Gestell aus Holzstäben und Fischbein gebaut war, wog er um 1800 rund vier Kilogramm.

Hanway’s Regenschirm war eine Kopie des Sonnenschirms, der schon in der Antike bekannt und vor allem im 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Accessoire für Frauen war. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der Sonnenschirm wieder aus der Mode – nun war nicht mehr blasse Haut, sondern ein gebräunter Teint angesagt.

Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wurde der Regenschirm auch zum unentbehrlichen Begleiter für den eleganten Herrn. Der eigentliche Durchbruch fand um 1920 statt: Dann erfand Hans Haupt in Berlin den teleskopierbaren Regenschirm und liess ihn 1934 als Knirps patentieren.

Dieser Herrenschirm aus schwarzer Seide befand sich im Besitz der Familie von Planta. An seinem Griff befinden sich eine vergoldete Metallgarnitur und die Gravur GvP (Gaudenz von Planta).





Objekt des Monats März: Radiogerät

Datierung: 1959
Herkunftsort: Chur, produziert in Bremen (D)
H1999.997

Das Radiogerät Norma Luxus mit Zeitautomat der Marke Nordmende kam 1959 auf den Markt. Die Firma Nordmende wurde 1947 als Nachfolgefirma der Radio H. Mende & Co (1923–1945) in Bremen gegründet.

In der Schweiz erfolgte die erste kommerzielle Nutzung des Radios ab 1922 in Form der Radiotelegraphie. 1923 bewilligten die Bundesbehörden Versuche für Lokalradios. Feste Sendefrequenzen waren noch nicht bekannt. War der Radio-Empfang anfänglich nur über Kopfhörer möglich, so setzten sich ab 1930 Lautsprecher durch. Sie bildeten die technische Voraussetzung, um aus dem Radio ein Massenmedium zu machen. Zum populären Informations- und Unterhaltungsmedium wurde das Radio in der Nachkriegszeit. Mit dem Aufkommen des Fernsehens in den 60er Jahren verlor das Radio bereits wieder einen Teil seiner Bedeutung. Die Hörgewohnheiten veränderten sich und das Radio wurde zum Begleitmedium.

Die langlebigste Radiosendung weltweit ist übrigens die «Voci del Grigioni italiano», die seit über 70 Jahren existiert. Sie hat sogar einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde.




Objekt des Monats Februar:
Schneeschuhe der Naturfreunde Landquart

Datierung: 1940
Herkunftsort: Malans
Inventarnummer: H2008.1ab

Dieser Schneeschuh aus Eschenholz wurde um 1940 für die Naturfreunde Landquart erstellt.

Die Entstehung des Wintersports in der Schweiz ist eng mit der Geschichte der Kurhotels im 19. Jahrhundert verknüpft. Als diese ab Mitte der 1860er Jahre auch in der Wintersaison für Gäste geöffnet blieben, nahm der Wintersport in den Alpen seinen Anfang. Die ersten (vorwiegend britischen) Gäste verbreiteten eine Reihe bislang unbekannter Wintersportarten: Eislaufen, Curling und Bob. In den 1890er Jahren folgte der Ski. Gleichzeitig wurde auch der norwegische Schneeschuh in der Schweiz beliebt. Mit ihm konnten die Wintersportler nun auch hochalpine Gipfel erklimmen.

Nicht nur der Wintersport, sondern auch das Wandern wurde im 19. Jahrhundert in breiten Bevölkerungsschichten populär. Pionierarbeit leistete dabei der 1863 gegründete Schweizer Alpen-Club (SAC). Mit der Gründung der Naturfreunde-Bewegung 1895 durch sozialistische Arbeiter in Wien wurde Wandern auch zum Teil der Arbeiterkultur. In der Schweiz entstanden die ersten Naturfreunde-Sektionen 1905 in Zürich, Luzern, Bern und Davos. Die Naturfreundebewegung Landquart wurde 1907 gegründet.




Objekt des Monats Januar: Violettstrahlen-Apparat «El Sol»

Um 1920
Herkunftsort: Igis, Firma J. Th. Fontana
H2010.215

Dieser Violettstrahlen-Apparat «El Sol» war ein wahres Wunderding! Für den Heimgebrauch entstanden solche Apparate in den 1920er Jahren im Zuge der zunehmenden Nutzung von Strom in den Haushalten. Kaum hatte der französische Physiker Jacques-Arsène d’Arsonval 1892 die Hochfrequenz-Ströme in die Medizin eingeführt, geriet die Elektrotherapie zur Modeerscheinung. Mithilfe des Generators, der an das normale Leitungsnetz angeschlossen wurde, konnten hochfrequente Wechselströme von 10 bis 20 Kilohertz erzeugt werden.

Mit den unterschiedlich geformten Elektroden, die man auf einen Griff aufsteckte, behandelte man alles von Rheuma über Hühneraugen bis hin zu Asthma: «Gesundheit, Kraft und Schönheit durch tägliche Hochfrequenz-Körpermassage», so wurde «El Sol» um 1920 beworben.
Da die Apparate Störungen des Rundfunkbetriebs verursachten, wurde ihre  Herstellung nach dem Zweiten Weltkrieg verboten. Mittlerweile haben Medizin und Kosmetik die Hochfrequenztherapie wiederentdeckt und nutzen fast dasselbe Verfahren wie in den 1920er Jahren.

 




Objekt des Monats Dezember: Gebäckmodel

um 1700
Herkunftsort: wahrscheinlich Surselva
XI.437

Der Gebäckmodel ist ein Gebrauchsgerät zum Ausformen und Bebildern von nur wenig quellendendem Teig. Der hier gezeigte Model ist aus Holz, 19 cm hoch, 8 cm breit und 1 cm dick. Er war besonders für Lebkuchenteig geeignet.

Es existieren auch Gebäckmodel aus Ton, Stein, Zinn oder Gips. Die ersten gefundenen Exemplare sind um die 4500 Jahre alt. Bekannt sind die römischen Tonmodel mit Darstellungen von Wagenrennen oder Gladiatorenkämpfen. Nach 1900 wurden die Gebäckmodel mehr und mehr durch Umrissmodel aus Weissblech ersetzt, etwa für die Engadiner «Grassins».

Das Rätische Museum besitzt eine kleine Sammlung von 55 in Graubünden verwendeten Backmodeln. Sie weisen die verschiedensten Motive auf. Hergestellt wurde das Gebäck zu besonderen Festtagen im Jahres- und Lebenslauf. Der hier vorgestellte Model zeigt auf der Hauptseite einen «katholischen» Nikolaus mit Mitra und drei Kugeln als Attributen. Auf der Rückseite finden sich zwei Muschelpaare und die Initialen BW.




Objekt des Monats November: Nachtwächter-Laterne

19. Jahrhundert
Herkunftsort: Zizers
H1975.1724

«Losat uf, was i will saga: G'logga, dia hät achti g'schlaga», sang der Nachtwächter noch bis ins 19. Jahrhundert. Zwischen Abendgebet und Tagesanbruch wurden die Stunden ausgerufen – die Seltenheit schlagender Turmuhren schuf das Bedürfnis nach dem Ruf des Nachtwächters.

Doch das Stundenzählen war nur die eine Seite des Nachtwächterberufs. Daneben musste ein Nachtwächter für Ruhe und Ordnung sorgen. Ausgerüstet mit einem Horn, einer Hellebarde und einer Laterne, zog der Nachtwächter durch die dunklen Gassen und vertrieb Bettler, schickte Wirtshausgäste nach der Polizeistunde nach Hause und warnte die schlafenden Bürger durch einen Stoss in sein Horn vor Feuer, Dieben oder anderen Gefahren.

Schon im 18. Jahrhundert gab es Leute, die fanden, dem Rufen und Singen der Wächter sei ein Ende zu setzen, weil es einerlei sei, ob die Ruhe des Bürgers «durch das Geschrey eines Trunkenbolds oder des Nachtwächters unterbrochen werde». Doch erst um 1900 wurden Nachtwächterruf und Laterne von flächendeckenden Strassenbeleuchtungen und neuen Polizeigesetzen abgelöst und der Nachtwächterberuf schliesslich aufgelöst.




Objekt des Monats Oktober: Zunft-Wahlurne

Herkunftsort: Chur
H1973.1124


Ab  1464 waren das Churer Handwerk und Gewerbe in die fünf Zünfte der Rebleute, Schuhmacher, Schneider, Schmiede und Pfister (Bäcker)  gegliedert. Eine Zunftordnung regelte nicht nur alle beruflichen Belange, sondern auch den Wahlmodus für die Zunftvorstände, den Bürgermeister, den Grossen und Kleinen Rat sowie bald auch sämtliche anderen städtischen Ämter.

Die Wahlurne stammt aus der Churer Rebleutezunft. Die Zunftmitglieder gaben ihre Stimme nach einem ausgeklügelten, genau definierten  System mittels eines Jetons ab. Ein frühdemokratischer Wahlakt, also? Nur bedingt. In einer Zunftstadt gab es ganz verschiedene Schichten von Einwohnern – längst nicht alle waren Zunftmitglieder und somit stimmberechtigt. Auch Frauen waren von der Wahl ausgeschlossen. Die Entscheidungsträger bildeten eine kleine, einflussreiche Elite in der frühneuzeitlichen Stadt Chur.




Objekt des Monats September: Einmachglas

1. Hälfte 20. Jahrhundert
Hergestellt in der Glasfabrik Wauwil (BE)
Herkunftsort: Chur
H1997.181

1810 entdeckte der französische Koch Nicolas Appert, wie man Lebensmittel durch Erhitzen haltbar machen konnte. Damit gewann er einen Wettbewerb, den Napoleon Bonaparte ausgeschrieben hatte auf der Suche nach einfacheren Verpflegungsmöglichkeiten für seine Truppen.

Der deutsche Chemiker Rudolf Rempel liess 1892 ein Glas mit Gummidichtung patentieren, welches bis heute eine optimale Aufbewahrung für eingemachte Lebensmittel garantiert. Nur wenige Jahre später erwarb die Firma Weck die Rechte an diesem Patent und verkaufte die Gläser unter eigenem Namen. In den folgenden Jahrzehnten wurde in den meisten Haushalten „eingeweckt“ – der Ausdruck fand sogar Aufnahme in den Duden.

Heute haben andere Formen der Haltbarmachung das Einmachen weitgehend abgelöst. Kühltruhen halten die Gartenernte lange frisch und das Sortiment in Lebensmittelgeschäften variiert nur noch wenig zwischen den Jahreszeiten. Das Einmachglas aber wird noch immer verwendet: längst ist es zum Symbol für Gutes, Hausgemachtes geworden.




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