
Die Skulptur von St.Luzi und das Nivelliergerät am Eingang zum 3. Obergeschoss stehen für die zwei Pole «Glaube» und «Wissen» – und das, was dazwischen liegt. Es geht hier also um Herz und Seele, Bauch und Kopf: Was haben die Bündnerinnen und Bündner geglaubt und gewusst, was glauben und wissen sie heute? Dabei ist die Grenze zwischen Glaube und Wissen nie eindeutig gewesen.
«Götter und Gott» zeigt den Wandel von den vielen «heidnischen» zum einen christlichen Gott. Die traditionellen «Sagen und Legenden» im nächsten Raum geben nicht die Wirklichkeit wieder, sondern die Bewältigung und Verarbeitung des realen Lebens. Die Motive stammen dementsprechend zum grossen Teil aus der bergbäuerlichen Welt. «Zeichen und Wunder» handelt von Regeln, Vorwarnungen und Ereignissen, die sich nur zum Teil rational erklären liessen oder lassen. Deshalb werden sie oft in Verbindung mit übernatürlichen Kräften gebracht. «Glaube und Aberglaube» schliesslich zeigt mit alten und modernen Objekten, dass beide Formen sehr lebendig sind – nicht selten in neuer Art und Interpretation.
«Geburt und Tod» thematisiert medizinische Kenntnisse, etwa der Hebammen, aber auch die Volksfrömmigkeit mit ihren zahlreichen und vielfältigen Ausprägungen. Schliesslich handelt der Raum zu «Schule und Volksschule» vor allem vom Wissen, wie auch derjenige zu «Drucke und Druckereien». Die Beispiele des Religionsunterrichts an der Schule oder die Bedeutung der Druckereien für die Reformation zeigen aber die Berührungspunkte zum Glauben.
Glaube und Wissen, aber auch der angebliche Aberglaube, stehen heute auf dem «Markt der Möglichkeiten» einigermassen frei zum Angebot. Dies gilt mindestens für die westliche Welt. Massgebend ist das persönliche Orientierungsbedürfnis. Die Auswahl ist gross und geht weit über das traditionelle Angebot der Kirchen hinaus. Ein Blick in die Esoterik-Läden oder -Inserate genügt.